Knoblauch aus dem Vogtland
Regional

Knoblauch aus dem Vogtland: Detlef Kittelmann und sein Leben zwischen Trasse & Knolle

Logo VogtlandManche Geschichten beginnen unspektakulär. Mit ein paar Beeten. Ein bisschen Neugier. Und einer Pflanze, die eigentlich nur als Lückenfüller gedacht war. Bei Detlef Kittelmann aus Zwota im Vogtland (im Bild) wurde daraus ein Lebenswerk – und am Ende sogar ein Stück deutscher Sortengeschichte. Mit Knoblauch aus dem Vogtland.

Knoblauch aus dem Vogtland: Vom Lückenfüller zur Leidenschaft

Als Kittelmann Mitte der 1980er Jahre begann, in seinem Garten zu experimentieren, war Knoblauch zunächst nichts Besonderes. Er setzte ihn hier und da zwischen andere Pflanzen – einfach, um freie Stellen zu nutzen. Doch dann kam der Moment, der alles veränderte: Ein Nachbar, der gebürtig aus Bulgarien kam, zeigte ihm, worauf es beim Knoblauch wirklich ankommt. Plötzlich ging es im heimischen Garten im Vogtland nicht mehr nur ums Pflanzen, sondern ums Verstehen. Um Sorten, Eigenschaften, Zusammenhänge. Aus gelegentlichem Anbau wurde gezielte Zucht. Aus Interesse wurde Leidenschaft. Aus seinem Garten, der in beachtlicher Höhenlage im Vogtland liegt, ein Knoblauch-Eldorado, das seinesgleichen sucht.

Detlef Kittelmanns Knoblauch

Aus Detlef Kittelmann wurde ein gefragter Knoblauch-Experte mit hoher Medienpräsenz. Die Krönung: Aus seinen Knollen, die sich aufgrund ihrer Üppigkeit als „Knoblauch-Riesen“ einen Namen gemacht haben, wurde letztlich eine amtlich anerkannte Sorte namens „Barettas-Sunshine“. Es ist die erste bundesweit zugelassene Amateursorte Deutschlands.

Die Trasse, eine Kamera und besonderer Knoblauch:  Lebensgeschichte von Vogtland-Original Kittelmann beeindruckt

Dass Kittelmanns Knoblauch heute einen so ungewöhnlichen Namen trägt, hat eine Geschichte, die weit in sein „Vor-dem-Knoblauch“-Leben zurückreicht:

Detlef KittelmannIn den 1980er Jahren arbeitete er – wie viele Vogtländer – am Bau der sowjetischen Erdgastrasse. Umgangssprachlich bis heue nur „Trasse“ genannt. Eine prägende Zeit, in der er viel erlebte und dokumentierte. Seine ständige Begleiterin damals: Eine Kamera namens „Beirette“.

Mit ihr hielt er in der sowjetischen Ferne viele, viele Eindrücke fest, weshalb man ihm diesen markanten  Spitznamen „Baretta“ verpasste. Die Kamera ging eines Tages verloren. Der Spitzname indes blieb und tauchte nun Jahre später wieder auf. Als Kittelmann seine Knoblauch-Sorte benennen musste, erinnerte er sich daran und „Baretta“ wurde Teil des Knoblauchs aus dem Vogtland.

Das „Sunshine“ kam aus einem sehr persönlichen, bewegenden Familienmoment hinzu: Seine Tochter gab einem Stern, den sie für ihr still geborenes Kind symbolisch erwarb, genau diesen Namen. So wurde aus einer Züchtung mehr als nur eine Pflanze: „Barettas Sunshine“ ist auch eine Geschichte aus Erinnerung, Verlust und Bedeutung.

Knoblauch aus dem Vogtland: Ritterschlag durch das Bundessortenamt

Der wohl größte Schritt in Kittelmanns Laufbahn gelang ihm, als seine Sorte offiziell anerkannt wurde. Die Zulassung durch das Bundessortenamt ist ein aufwendiger Prozess. Neue Sorten müssen über Jahre hinweg geprüft werden. Entscheidend sind dabei unter anderem Unterscheidbarkeit, Beständigkeit und Stabilität. Dass ein Hobbyzüchter diesen Prozess erfolgreich durchläuft, ist äußerst selten.

Mit „Barettas Sunshine“ gelang Detlef Kittelmann genau das: Seine Sorte wurde als erste bundesweit anerkannte Amateursorte im Bereich Knoblauch registriert. Ein echter Ausnahmefall und ein Signal weit über das Vogtland und den Knoblauch von dort hinaus.

Wenn Wissenschaft nach Zwota kommt – Dekan der Universität Marburg vor Ort

Dass Kittelmanns Knoblauch mehr ist als nur geschmacklich interessant, zeigte sich auch, als Besuch aus der Forschung nach Zwota kam: Professor Doktor Michael Keusgen. Der Dekan im Bereich Pharmazie an der Philipps-Universität Marburg beschäftigt sich seit vielen Jahren international mit Knoblauch und seinen Inhaltsstoffen.

Garten Detlef Kittelmann

Vor Ort – im Garten von Vogtland-Original Kittelmann – ging es um mehr als einen Höflichkeitsbesuch. Seine Knollen sollten wissenschaftlich untersucht werden – zunächst im Rahmen einer Diplomarbeit, perspektivisch als Grundlage für weiterführende Forschung bis hin zur Promotion.

Könnte der Knoblauch aus dem Vogtland medizinisch eine Rolle spielen?

Im Fokus standen zwei zentrale Fragen: Warum schmeckt dieser Knoblauch aus dem Vogtland so intensiv? Und welche Inhaltsstoffe könnten auch medizinisch relevant sein? Auffällig ist bereits die äußere Erscheinung. Die gelb-violette Färbung der Knollen deutet laut Forschung auf einen hohen Gehalt an bioaktiven Stoffen hin. Erste Analysen bestätigen, dass Kittelmanns Züchtung überdurchschnittlich reich an wertgebenden Inhaltsstoffen ist – darunter Schwefelverbindungen wie Alliin, die für ihre gesundheitlichen Effekte bekannt sind.

Auch aus anderen wissenschaftlichen Richtungen gab es Interesse. Der Agrarwissenschaftler Dr. Joachim Keller äußerte sich anerkennend zur Stabilität und Vitalität der Sorte und hob insbesondere deren Anpassungsfähigkeit hervor.

Ein Garten, der anders funktioniert – Kittelmanns eigene Logik der Natur

Widmet man sich diesen Besonderheiten des Knoblauchs aus dem Vogtland, kommt man nicht umhin, sich auch mit dem Weg zu diesem Ergebnis zu beschäftigen. Denn auch dieser ist so einzigartig wie die Knolle selbst. Detlef Kittelmann folgt keiner klassischen landwirtschaftlichen Lehrmeinung. Stattdessen hat er über Jahre ein eigenes System entwickelt, das auf Beobachtung und Kreislaufdenken basiert. Sein Garten beginnt nicht mit Beeten, sondern mit einer Wiese.

Diese darf bewusst wachsen und blühen, wodurch Insekten angezogen werden und ein natürliches Gleichgewicht entsteht. Aus dieser Wiese wird später Heu gewonnen, das wiederum seinen Hasen als Nahrung dient. Die Tiere liefern schließlich den natürlichen Dünger, der zurück in den Boden gelangt. Ein Freund des Rasenmähers ist der Knoblauch-Zücher allerdings nicht: Durch einen kurzen Rasen sind Schnecken seinen Beobachtungen zufolge zu Schädlingen geworden.

Stilleben im Garten

In dem nachhaltigen System, das den Knoblauch aus dem Vogtland so wunderbar gedeihen lässt, ist selbst das Heizen Teil dieses Kreislaufs. Das Holz im Garten von Detlef Kittelmann speichert über Jahre Sonnenenergie, die beim Verbrennen freigesetzt wird. Die entstehende Asche nutzt der Knoblauch-Experte gezielt, um seine Böden mit Mineralstoffen anzureichern und auszugleichen.

Seine Überzeugung ist dabei klar: Man muss nicht ständig eingreifen – man muss verstehen, wie alles zusammenhängt.

Knoblauch aus dem Vogtland: Von Zwota aus in die Welt – bewusst ohne Onlineshop

Die so bewusst bewirtschaftete Anbaufläche wirft bis zu 1000 Knollen ab, mit denen sich Kittelmann längst über die Region hinaus einen Namen gemacht hat.

Kunden aus ganz Deutschland bestellen bei ihm, ebenso internationale Knoblauch-Liebhaber, die unter anderem aus der Schweiz, aus Skandinavien oder aus Frankreich ordern. In den sozialen Medien ist das Vogtland-Unikat auf allen Kanälen bekannt und hat sich eine beachtliche Community aufgebaut. Dennoch bleibt eines bewusst unverändert: Der Kontakt läuft persönlich. Bestellungen werden telefonisch aufgegeben, nicht per Klick. Diese Haltung wirkt fast aus der Zeit gefallen – und ist vielleicht gerade deshalb so konsequent.

Ohne sie geht es nicht: Uta Kittelmann und das Leben hinter den Beeten

Uta Kittelmann, Ehefrau vom Knoblauch-PabstSo sehr Detlef Kittelmann für seinen Knoblauch steht – ganz allein ist dieses Lebenswerk nicht entstanden. Seine Frau Uta spielt eine große Rolle in diesem System. Während er züchtet, beobachtet und tüftelt, kümmert sie sich um vieles, was im Hintergrund läuft: Sie jätet und rupft Unkraut, hält die Beete in Ordnung und organisiert Termine. Auch bei Besuchen zeigt sich diese eingespielte Zusammenarbeit. Gäste werden nicht einfach empfangen – sie werden Teil der Kittelmann-Welt.

Dazu gehören oft auch kleine Kostproben, die eine Brücke in die Vergangenheit schlagen. Besonders gern serviert Kittelmann dabei russische Knoblauchgurken – ein Rezept, das er während seiner Zeit an der Trasse aus der damaligen Sowjetunion mitgebracht hat. Hier zeigt sich: Seine Geschichte steckt nicht nur im Garten, sondern ebenso auf dem Teller.

Da ist es nur logisch, dass die Erfolgsgeschichte vom Knoblauch aus dem Vogtland zwischen Buchdeckeln landete. „Knoblauchriesen aus dem Vogtland“ heißt das Buch, das Detlef Kittelmann herausgebracht hat. Interessierte finden hier unzählige Tipps zum Anbau der Knolle, erfahren viel über die imposante Lebens- und Züchtergeschichte des Vogtländer Urgesteins und finden schmackhafte Rezepte rund um den Knoblauch. „Behschnitz“ ist eines davon.

Die herzhafte Knoblauch-Mahlzeit und deren Zubereitung hat es sogar in ein Image-Video des Freistaates Sachsen geschafft. Im Buch ist die genaue Anleitung veröffentlicht. Wer diese Vogtland-Spezialität zubereitet, wird eine echte Geschmacksexplosion erleben!

Knoblauch aus dem Vogtland und ein Vogtland-Original – einfach unverwechselbar!

Züchter, Autor, Weitgereister, Tüftler, Hobbykoch, Naturkenner und Heimatverbundener: Detlef Kittelmann ist nicht nur ein rühriges Multitalent, sondern mit seinem Knoblauch auch ein echtes Unikat im Vogtland geworden. Die Einheimischen festigten diesen Ruf, indem sie ihm 2012 zum „Vogtländer des Jahres“ machten. Der sympathische Sachse aus Zwota bei Klingenthal ist mitnichten ein glattgeschliffener Unternehmer oder Marketingstratege – sondern jemand, der seinen Weg gegangen ist.

Mit Geduld, Überzeugung und einer guten Portion Eigenwilligkeit. Die Geschichte von Detlef Kittelmann ist keine klassische Erfolgsgeschichte. Sie ist leiser, bodenständiger – und gerade deshalb so besonders. Aus einem Lückenfüller wurde eine Leidenschaft.

Aus einem Garten ein funktionierendes Ökosystem.

Und aus einer Idee eine offiziell anerkannte Knoblauch-Sorte. Ein Stück Vogtland, das zeigt, wie viel entstehen kann, wenn jemand konsequent seinem eigenen Weg folgt.

Mehr zum Knoblauch aus dem Vogtland und seinem Züchter finden Sie auf der Homepage von Detlef Kittelmann – „Knoblauchriesen“.

Bildnachweise / Copyrights: Detlef Kittelmann

"

Consent Management Platform von Real Cookie Banner