3 abgelegene Waldweiler im Vogtland: Wohltuende Stille in entrückter Abgeschiedenheit
Wer kennt das nicht? Hat man als Kind Märchen vorgelesen bekommen, hatte man sofort ein Bild im Kopf. Beim Haus der Zwerge in „Schneewittchen“ ebenso wie bei „Hänsel und Gretel“. Die meisten haben sich in Kindertagen mit Sicherheit ein abgelegenes Haus tief im Wald vorgestellt. Ein Haus, das man normalerweise gar nicht zu Gesicht bekommt. An einem mystisch wirkenden Ort, ein bisschen dunkel, etwas gruselig. Nun – lässt man „dunkel“ und „gruselig“ weg, wird man feststellen: Diese Orte gibt es wirklich. Und zwar im Vogtland. Abgeschieden, mystisch und mitten im Wald. Wer hierher kommt, kann den Zumutungen der Stadt und anderer hektischer Orte wunderbar entfliehen und der Abwesenheit von Lärm und Hektik frönen, solange er möchte. Und deshalb stellen wir sie Ihnen vor: 3 abgelegene Waldweiler im Vogtland, die wohltuende Stille in entrückter Abgeschiedenheit bieten. Gut erreichbar, aber dennoch jeweils ein Kosmos für sich.
3 abgelegene Waldweiler im Vogtland: Siehdichfür gehört dazu
Siehdichfür – schon der Name klingt geheimnisvoll. Wer zum ersten Mal von dem pittoresken Waldweiler Siehdichfür hört, fragt sich unweigerlich: Wie kommt ein Ort zu einem solchen Namen? Die kleine Waldsiedlung zwischen Grünbach und Neudorf im Vogtland entstand vermutlich bereits Anfang des 16. Jahrhunderts.

Ihren Ursprung hat sie in der sogenannten Schwarzmühle am Geigenbach. Die ersten urkundlichen Erwähnungen reichen bis ins Jahr 1532 zurück. Damals war die Gegend von dichten Wäldern und sumpfigem Gelände geprägt. Einer Überlieferung zufolge mussten Reisende hier besonders vorsichtig sein – „Sieh dich vor!“ soll deshalb zur Namensgebung beigetragen haben. Noch bekannter ist allerdings die Sage aus dem Dreißigjährigen Krieg. Als schwedische Reiter plündernd durch das Vogtland zogen und den Weg nach Schöneck suchten, baten sie eine alte Frau um Auskunft. Die Frau erkannte die Gefahr für die Stadt und schickte die Soldaten angeblich absichtlich in ein Moorgebiet. Dabei soll sie ihnen zugerufen haben: „Sieht eich four!“ – vogtländisch für „Seht euch vor!“.
In entrückter Abgeschiedenheit bei einem Spaziergang abschalten
Heute präsentiert sich die Siedlung als ein Hort wohltuender Stille und entrückter Abgeschiedenheit. Obwohl eine Verbindungsstraße durch die ungewöhnliche Häuseransammlung führt, hält sich der Verkehr in Grenzen, punktet der Ort mit träumerischem Charme. Die wenigen Häuser gruppieren sich fast u-förmig um saftiges Grün, der imposante Wald scheint zur Entschleunigung animieren zu wollen. Bei einem Spaziergang durch diese entrückte Szenerie kann man sich gut vorstellen, wie einsam und urwüchsig diese Gegend einst war. Wer sich hier zu einem gemächlichen Spaziergang einfindet, kann im Handumdrehen abschalten.
Winselburg – hoch oben zwischen Wald und Himmel
Ein weiterer Ort, der wohltuende Stille in entrückter Abgeschiedenheit bietet, ist Winselburg. Auf über 900 Metern Höhe, zwischen Mühlleithen und Schneckenstein im Vogtland, liegt der einsame Waldweiler. Die Häusergruppe gehört zu den höchstgelegenen Siedlungen des Vogtlands und wirkt mit ihrer Lage mitten im Wald selbst heute noch erstaunlich einsam.

Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1791. Damals bestand die Winselburg lediglich aus einem einzelnen Waldhaus, welches heute noch steht und mit seinen grünen Fensterläden mit dem Wald zu verschmelzen scheint. Im Laufe der Jahrzehnte kamen weitere Gebäude hinzu, doch die Siedlung blieb klein. Noch Ende des 19. Jahrhunderts lebten hier nur wenige Dutzend Menschen in vier Häusern. Die abgeschiedene Höhenlage und die fast unwirkliche Ruhe verleihen diesem Waldweiler eine ganz besondere Atmosphäre. Die wohltuende Stille in entrückter Abgeschiedenheit kann man hier oben auf einem gepflegten Wanderrastplatz vorzüglich genießen.
Ascherwinkel – die abgelegene Häusergruppe in Neudorf
Schon vor fast 200 Jahren beschrieben Chronisten den Ascherwinkel, der zu Neudorf gehört, als „abgesonderte Häusergruppe“. Auch der Heimatforscher Albert Schiffner zählte ihn zu den abgelegenen Siedlungen im Vogtland. Der Ort entstand in einem Gebiet, das ursprünglich von Wald und Hochmoor geprägt war. Lange blieb die Gegend unbesiedelt. Erst nach und nach entstanden einzelne Häuser und Gehöfte. Weil die Gebäude weit verstreut lagen, galten für den Ascherwinkel sogar besondere Bauvorschriften, die für dichter besiedelte Orte nicht vorgesehen waren.

Bis heute hat sich an der einsamen Lage kaum etwas geändert. Nicht mal zehn Häuser stehen hier, dafür unzählige Bäume und satte Wiesen, soweit das Auge reicht. Das Leben scheint hier in einem gemütlicheren Strom zu fließen als anderswo. Wie in den anderen Waldweilern auch, laden schöne Wege zu Spaziergängen abseits von städtischem Trubel ein. Ein paar Stunden in eine abgeschiedene Welt im Vogtland eintauchen – wunderbar!
Der Name Ascherwinkel übrigens gibt Forschern bis heute Rätsel auf. Eine Erklärung führt ihn auf die Torfgewinnung in den einstigen Moorgebieten zurück. Sicher ist das nicht, aber: Der Name passt zu einem Ort, der schon immer ein wenig außerhalb der gewohnten Wege lag.
3 abgelegene Waldweiler im Vogtland: Orte für alle, die Ruhe und Natur suchen
Siehdichfür, Winselburg und Ascherwinkel sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Doch für Naturliebhaber und Ruhesuchende dürften sie genau das richtige sein. Wer hier unterwegs ist, entdeckt ein Vogtland, das noch so richtig ursprünglich daherkommt. Kleine Häusergruppen mitten im Wald, alte Geschichten, kaum Verkehr und Wege, die zum langsamen Gehen einladen: Das bieten die drei abgelegenen Waldweiler im Vogtland. Diese wohltuende Stille in völliger Abgeschiedenheit sollte man mal erlebt haben!


